February 4, 2023

“Graue Wölfe” in Frankfurt-Rechtsextreme Türken eröffnen Zentrum

Die rechtsextremen türkischen “Grauen Wölfe” breiten sich in Frankfurt weiter aus. Nach hr-Recherchen steht der Verein kurz vor der Eröffnung eines Kultur- und Kongresszentrums: Einen Döner-Imbiss gibt es bereits.

 
Von hr-iNFO-Reporter Volker Siefert 

Der gerade eröffnete Imbiss befindet sich in einem umgebauten Autohaus in Frankfurt-Griesheim. Zur Eröffnung am Wochenende gibt es Döner für 1,99 Euro. In Kürze sollen nach Informationen von hr-iNFO um den Vereinssitz des “Türkischen Kulturzentrums Frankfurt e.V.” ein Back-Shop, ein Friseursalon, ein Anwalts- und Lohnsteuerbüro entstehen. 

Als Publikumsmagneten sind ein Gebetsraum und ein Veranstaltungssaal für bis zu 300 Personen inklusive Tiefgarage vorgesehen. Die Fertigstellung des Zentrums steht kurz bevor. Die Baugenehmigung ist so gut wie durch. Laut Konzept für das Kultur- und Kongresszentrums, das hr-iNFO vorliegt, “richtet sich das Angebot an Gäste aus dem Großraum Frankfurt”.

 

Center-Manager: “Ich rede nicht mit Ihnen”

Das Logo der Grauen Wölfe auf einem Auto vor dem geplanten neuen Kongresszentrum. (Bild:  hr)

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Das Logo der Grauen Wölfe auf einem Auto vor dem geplanten neuen Kongresszentrum.
Center-Manager und Hauptmieter des Gebäudes ist Kazim Erdogan. Der leitende Angestellte eines mittelständischen Unternehmens ist Vorsitzender des Vereins. Der Verein macht keinen Hehl daraus, den “Grauen Wölfen” anzugehören. Auf einer 15 Meter hohen Metallsäule vor dem Gebäude prangt, von der nahe gelegenen Schnellstraße einsehbar, das Logo der “Türk Federasyon”, dem Dachverband der “Grauen Wölfe”. 

Auf Anfrage von hr-iNFO sagt Erdogan: “Ich rede nicht mit Ihnen”. Dabei gebe es genug Gesprächsstoff. Die Vereine der “Türk Federasyon” verfolgen laut dem jüngsten hessischen Verfassungsschutzbericht “Bestrebungen, die sich gegen den Gedanken der Völkerverständigung und gegen das friedliche Zusammenleben der Völker richten”.

 

Expansion bereitet CDU-Mitglied Sorgen 

Die Expansion der “Grauen Wölfe” bereitet Ohanes Altunkaya Bauchschmerzen. Der 31-Jährige stammt aus einer Familie aramäischer Christen aus der Türkei. Er ist Sprecher des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU (CAF) in Frankfurt. Von seinen Angehörigen weiß er, wie sich Unterdrückung durch extrem nationalistische türkische Gruppen anfühlt. “Diesen Rechtsextremismus haben unsere Eltern erleben müssen.” 

Eigentlich dachte Altunkaya, dass er vor ihm in Deutschland keine Angst haben müsste. “Doch dass ein solcher Verein unbeachtet agieren und expandieren kann, ohne dass die Politik etwas tut”, lässt ihn daran zweifeln. Deswegen fordert er seine Parteifreundin, Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), und Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) auf, zu handeln. 

Frankfurter Integrationsdezernentin schweigt 

Doch die Integrationsdezernentin schweigt bislang. Genau wie Anfang des Jahres, als durch Recherchen von hr-iNFO bekannt wurde, dass der Beisitzer des Türkischen Kulturzentrums e.V. Feyyaz Cetiner für die Liste MHP (Multikulturelles Hilfsbereites Publikum, MHP) in der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) sitzt. 

Damals erklärte Eskandari-Grünberg, solange er keine rassistischen oder anti-demokratischen Anträge einbringe, sehe sie keinen Anlass zu handeln. Konfrontiert mit der Expansion der “Grauen Wölfe” im Frankfurter Westen erklärt sie schriftlich: “Die Bekämpfung von Fundamentalismus und Extremismus ist eine Daueraufgabe der Demokratie, die mit rechtsstaatlichen Mitteln geschieht.” Für CDU-Mitglied Altunkaya zu wenig, um der offensiven Jugendarbeit der Extremisten etwas entgegenzusetzen.

 

Dubioses Geschäftsgebaren 

Doch nicht nur die politische Arbeit der Grauen Wölfe wirft Fragen auf. Erste Hinweise deuten auf unseriöse finanzielle Machenschaften im Hintergrund des Kultur- und Kongresszentrums hin. Nach Informationen von hr-iNFO bezahlt der Vorsitzende des Vereins Erdogan seit über einem Jahr monatlich 10.000 Euro Miete für das gesamte Gebäude. 

Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Vorgängerverein der “Grauen Wölfe” in Frankfurt, dem Erdogan vorstand, Anfang 2011 mangels Mitgliedern aufgelöst wurde und 10.000 Euro Mietschulden unbeglichen ließ. Seinen Sitz hatte der alte Verein in einer ehemaligen Hinterhof-Werkstatt im Frankfurter Gallus. “Der Verein war quasi nicht mehr liquide”, sagte die Hausverwalterin Gabriele Ziehensack. Erst nach einer Räumungsklage und einem anschließenden Vergleich rückte der Vorstand die Schlüssel heraus. 

“Wenn ich nun sehe, dass fast die selben Mitglieder einen neuen Verein gründen, wundert mich das sehr”, sagt Ziehensack. Neben dem Ärger über die entgangene Miete ist ihr aber ein anderes Thema wichtig. Staat und Öffentlichkeit müssten verhindern, dass die “Grauen Wölfe” sich zum Staat im Staate entwickeln: “Wenn die Veranstaltungen machen, erwarte ich, dass genau zugehört wird, ob es wirklich nur um Kultur geht oder aber politische Ziele dahinter stecken.”

 
Redaktion: suma / aba 
Bilder: © hr (2) 
hr-online.de

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